Neue Kollegen

20 06 2011

Stolziert doch gerade ein Unbekannter ins Büro, baut sich vor meinem Tisch auf und stellt sich vor begrüßt mich mit den Worten: “Wenn sie wirklich glauben dass ich dort arbeiten soll, dann haben sie sich gewaltig geschnitten.”

Ich schaue in die Runde, doch auch meine Kollegen zucken nur mit den Achseln. Mein Fragezeichen im Gesicht brachte dies wohl ebenfalls zum Ausdruck, worauf er nachlegte: “Seit gefühlten 100 Jahren habe ich keine Maus mehr mit Kabel gesehen. Dieser Monitor erinnert mich an die Dias von meinem Großvater und die Email-Adresse auf dem Begrüßungsschreiben gehe ja mal gar nicht. Manuel-Ulrich.Scheinbrauer@Firma.xxx sei viel zu lang, könne nicht mal er sich merken. In entsprechenden Kreisen seih er unter MUS bekannt, also sollte seine Adresse auch MUS@Firma.xxx lauten. Außerdem sehe ich es nicht ein, ein Passwort zu wählen welches so lange ist und auch noch Zahlen und Sonderzeichen enthalten muss.”

Meinen Kollegen und mir ging ein Licht auf. Vor uns stand offensichtlich der neue Kollege aus dem Vertrieb. Für neue Mitarbeiter erstellen wir immer einen kurzen Schrieb mit Anmeldename, Email-Adresse, Telefondurchwahl und den Ansprechpartnern aus der IT für Rückfragen.

Nun ist es so, dass die Arbeitsplätze eigentlich alle gleich aufgebaut sind. In seinem Fall handelte es sich um einen recht neuen Computer mit anständiger Ausstattung, einem 19″ Marken-Monitor, frisch gereinigter Maus, Tastatur und Telefon.

Er legte mir eine Liste vor mit den Mindestanforderungen die er an seinen Arbeitsplatz stellen würde:

  • Ein Rechner mit Ausstattung, auf die jeder Spieler neidisch wäre
  • Eine Multimedia-Tastatur inkl Maus, natürlich kabellos
  • Ein 24″ Breitbildmonitor inkl. DVB-T-Tuner
  • Ein Designer-Telefon welches überhaupt nicht an unserer Anlage betrieben werden kann
Ich überflog die Liste, und reichte sie meinem Kollegen mit der Bitte, die Dinge anzufragen und das Angebot dem neuen Kollegen vorzulegen mit der Bitte um Genehmigung bei seinem Abteilungsleiter.
Eigentlich dachte ich, dass das genügen müsste um sich freundlichst für seinen Auftritt zu entschuldigen. Doch er verließ zufrieden mit einem kurz angebundenem “Danke” den Raum.
Das Angebot über mehrere tausend Euro liegt mittlerweile auf seinem Tisch, natürlich mit den hochwertigsten Komponenten die wir finden konnten.
Zu schade dass wir das Gesicht seines Abteilungsleiters nicht sehen können.







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