Bewerbungsgespräch

30 03 2011

Ich komme gerade aus einem Bewerbungsgespräch dem ich beiwohnen sollte. Es ging darum, dass die Personalabteilung für diese Stelle besonderen Wert auf PC-Kenntnisse legte und deshalb mich bat ein paar Fragen auszuformulieren und an entsprechender Stelle zu stellen.

Also dachte ich mir ein paar Fragen zu Word und Excel aus, die der Bewerber auch tadellos beantworten konnte. Ich nickte zufrieden und der Herr Personal machte Haken auf seiner Liste. Als nächstes sollte der Bewerber eine kleine Prozent-Rechenaufgabe lösen. Er nahm den bereitgestellten Block und schrieb ohne Übertreibung die komplette DIN-A-4 Seite mit Zahlen voll, kreiste sporadisch welche ein, andere versorgte er mit einem Minus und zum Schluss schrieb er das richtige Ergebnis unten auf das Blatt.

Hinterher habe ich versucht mit meinem Chef den Rechenweg nachzuvollziehen, was aber nicht möglich war. Wenn er je eingestellt wird muss ich mir das mal erklären lassen…





Über das Älter werden

24 03 2011

Wenn ich daran denke, wie ich mit Anfang 20 meine Wochenenden verbracht habe, dann kann ich heute nur noch den Kopf darüber schütteln.

Das Ganze ging meistens schon am Donnerstag Abend los, in seltenen Fällen sogar Mittwoch. Als eingefleischte Feier-Clique hatten wir von Mittwoch bis Sonntag einen angesagten Anlaufpunkt auf  Lager, teilweise sogar zwei pro Abend und das trotz Ganztages-Job.

Die Nächte (zumindest der Teil der zum Schlafen genutzt wurde) war oft nicht länger als 3 Stunden.

Letzte Woche, also ca. 10 Jahre später rief mich mein guter Freund Kalle an, ob ich nicht Lust hätte mit zum Angeln zu kommen. Da mich das interessiert, stimmte ich spontan zu. Treffpunkt war Freitag, 21 Uhr am Fischteich. Ich müsste mich um nichts kümmern. Ich dachte mir schon, dass die Sache ein wenig länger werden würde, und sagte die Verabredung zum Samstags-Frühstück bei meinen Eltern vorsorglich ab.

Als ich um kurz vor 9 mein Auto parkte, war Kalle bereits dabei seinen Kombi auszuladen. 30 Minuten später stand ein Zelt, eine Kiste Bier und ein Grill am See-Ufer, und wir warfen die Angel aus. 8 Fische, 5 Bier und 6 Stunden später machte ich mich zu Fuß auf den Heimweg. Ich war sicherlich leicht angetrunken, jedoch nicht betrunken.

Samstags um 11 Uhr, also nach 7 Stunden Schlaf lag ich immer noch bewegungsunfähig im Bett. Ich hatte das Gefühl wie wenn ich die Kiste Bier alleine getrunken hätte, und erst vor 5 Minuten heim gekommen wäre.

Früher bin ich nach einem Bruchteil der Schlafens-Zeit und einer weit höheren Menge Alkohol aufgestanden und zur Arbeit gegangen. Heute würde ich eine vergleichbare Nacht vermutlich nicht überleben.

Ist das normal?

 





Ein Cent

24 03 2011

Sonntags kommt bei mir zuhause (auf dem Land) der “fahrende Bäcker” vorbei. Das ist ein alter Ford Transit mit einem noch älterem Fahrer, der jeden Sonntag zwischen 8 und 9 die Ortschaft abklappert und frisches Backgut verkauft. Da ich so ein Angebot toll finde, und an einem Sonntag auch nichts gegen ein paar frische Brötchen oder ne Nuss-Schnecke habe, nutze ich den Service gerne und regelmäßig.

Meist treffe ich auf der Straße immer den Nachbars-Jungen, der voller Stolz ganz selbstständig für sich und seine alleinerziehende Mutter das Frühstück kauft. Dazu zählt ihm die Mutter das Geld immer passend in seinen kleinen Marienkäfer-Geldbeutel, den er dann mir oder dem Fahrer gibt, da er noch zu kurz ist um an die Theke hoch zu kommen.

Letzten Sonntag hatte sich die Nachbarin offensichtlich verzählt. Denn gerade als ich um kurz nach 8 Uhr an den Wagen heranlaufe erklärt der Fahrer dem kleinen Jungen dass hier ein! Cent fehlen würde. Der Bub stand hilflos und mit der Situation völlig überfordert auf der Straße, und zuckte  nur mit den Achseln.

Fahrer: Das Geld reicht leider nicht. Entweder wir tun ein Brötchen aus der Tüte raus oder du holst noch schnell den Rest

Junge: Das geht nicht, dann reichen die Brötchen ja nicht für mich und Mama

Fahrer: Dann lauf doch schnell zu deiner Mutter und sag ihr dass sie sich verzählt hat

Junge: Die schläft aber noch.

Um den mittlerweile den Tränen nahen Jungen diesen Weg zu ersparen mischte ich mich ein. Ich fragte den Fahrer, an was es denn fehlen würde, worauf er mir erklärte dass der Junge nicht genügend Geld hätte und wenn er ihm den einen Cent erlässt, am Mittag seine Kasse nicht stimmen würde.

Da die zwei Brötchen und die Nuss-Schnecke die ich kaufe genau 1.98 € kosten und ich kein Freund von Kleingeld bin, lass ich mir grundsätzlich immer auf 2 Euro rausgeben. Diesen Fehler in der Kasse nimmt er wohl dann gerne in Kauf.

Ich habe dann meinen Geldbeutel geöffnet, und von meinem hart verdienten Geld einen Cent auf die Theke gelegt, damit der Junge nicht hungern muss. Der Bäcker war zufrieden und gab ihm die Tüte. Selbstverständlich wollte ich an diesem Tag mein Rückgeld genau.

Wenn ich daran denke muss ich heute noch den Kopf schütteln wie man so dermaßen Kleinlich sein kann.

Der eine investierte Cent wurde übrigens von der Mutter am Mittag mit einem Stück frisch gebackenem Kuchen erstattet.








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