Bewährungsprobe

26 07 2010

Ich bin ja weder ein Morgenmuffel, noch ein Montagsmuffeln, geschweige denn ein Montags-Morgen-Muffel. Außerdem bin ich kein Freund davon Kollegen bereits kurz nach Arbeitsbeginn unfreundlich zurechtzuweisen. Aber wenn es geballt kommt, muss auch ich mich ab und zu richtig beherrschen.

Ich komme am heutigen grauen, verregneten Montag nach einer regelrechten Stau-Odyssee um 7 Uhr ins Büro. Am Eingang halte ich schon den Handwerkern die Türe auf, die im Stockwerk über uns gerade dabei sind eine 100 Meter lange Beton-Wand zum Schweizer-Käse umzugestalten. Anders kann ich mir nicht erklären, warum hier seit Wochen gehämmert wird wie wild.

Ich laufe zu meiner persönlichen Kaffee-Maschine, die 2 Kolleginnen freundlicherweise noch mitbenutzen dürfen, und sehe dass gerade mal noch ein Kaffee-Pad in der Dose ist. Warum von den 10 Pads welche bis Freitag noch in der Schublade lagen nur noch dieses Eine übrig ist, liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit daran an Kollegin A, da ich am Freitag gar nicht im Büro war und sie für ihren extremen Kaffee-Durst bekannt ist. Gut, Eines ist besser als Keines, und so läuft das schwarze Gold in die Tasse. Der Griff zur Milchtüte lässt schauriges ahnen: LEER! Auch hier vermute ich schnell die Ursache, diesmal allerdings in Kollegin B, welche Ihren Milchkaffee grundsätzlich mit ganzen Monatsproduktionen an Milch genießt.

Nun ist es ja so, dass der Laden wo es beides zu kaufen gäbe, direkt gegenüber liegt. Und dieser auch am Freitag bis 22.00 Uhr offen hat. Und ebenfalls ist bei beiden Kolleginnen bekannt, dass mich nichts aus der Ruhe bringt außer fehlendem Kaffee am Morgen.

Als ich den letzten Kaffee schwarz trinke, was mir ziemlich widersteht, setzen die Handwerker oben zum ersten Loch an.  Vom Gefühl her würde ich sagen, dass demnächst der Putz von der Decke rieselt.

Als Kollegin A nun um 07.30 Uhr die Firma betritt, läuft sie wie jeden Morgen zuerst in mein Büro. Kurz vor der Maschine stockt sie: “Ups, ich habe total vergessen Kaffee zu kaufen, aber wenn um 9 Uhr der Laden aufmacht hole ich sofort einen”.

Kollegin B kommt einen Augenblick später ins Büro, und bleibt auch kurz vor der Türe stehen: “Ups, ich glaube ich hab am Freitag die ganze Milch leer gemacht, aber wenn um 9 Uhr der Laden aufmacht hole ich sofort einen”

Ich halte mich bewusst zurück, beantworte die Feststellungen eigentlich nur mit einem tiefen Brummen welches aufgrund des Hämmerns kaum wahrnehmbar ist, allerdings Akzeptanz und Missmut zusammen zum Ausdruck bringen soll. Doch anstatt sich die beiden Damen zügig aus der Gefahrenzone begeben, entbrennt ein Streit der beiden Morgenmuffel direkt vor meinem Schreibtisch. Das sei ja mal wieder typisch, Kollegin A würde ja ständig den Kaffee leer machen und wäre zu faul die 5 Schritte zu laufen um Neuen zu kaufen. Über mir hämmert die Bohrmaschine. Kollegin A holt zum Gegenschlag aus und wettert gegen Kollegin B, die ja mit ihrer “Milchsucht” eigentlich auch die gebrauchten Pads nehmen könnte, da vom Kaffee eh nichts mehr durchschmeckt. Die Bormaschine über mir hat Nachwuchs bekommen, und es hämmert nun um die Wette. Kollegin B beschwert sich aufs Bitterste, da Kollegin A ihr ja kaum vorschreiben kann wie sie ihren Kaffee trinkt, und Sie IMMER Kaffee nachkauft wenn weniger als 5 Pads in der Dose sind.

Ich werfe beiden einen äußerst bösen Blick zu. Nicht der ganz Böse, der alles zu Stein erstarren lässt, sondern die Vorstufe die eigentlich ankündigt dass es jetzt höchste Eisenbahn ist das Feld zu räumen.

Doch die beiden Streithähne kümmern sich nicht wirklich um meine Mimik. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt jeweils der Anderen den schwarzen Peter unterzuschieben.

Als Kollegin A nun anfängt ihre Handtasche auf meinem Schreibtisch auszuleeren und mit Kassenzetteln belegen möchte, dass sie die letzten 10 Male Kaffee gekauft hat, und der Bohrjünger über mir gerade zu seinem Meisterstück ansetzt, kann ich mich nicht mehr zurückhalten und beende die Diskussion mit einem deutlichen “RUHE”. Kurioserweise verstummt im selben Moment sogar die Bormaschine und es ist Mucks-Mäuschen-Still. Beide starren mich an wie die Ölgötzen und rücken auf einmal näher zusammen. “Heute nicht Ihr Tag Chef?” meint die Eine. Die Andere ergänzt noch “heute Morgen mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden, oder warum pflaumen Sie uns so an?” Ab und zu ist es schon verwunderlich wie schnell sich Frauen versöhnen können.

Ich versuche mit ein paar Worten klar zu machen dass es mich nicht die Bohne interessiert, wer wann was gekauft hat sondern hier und jetzt einfach weder Milch noch Kaffee da ist, und das ich jetzt freundlichst darum bitte, diesen Missstand bis 09.15 Uhr aus der Welt zu schaffen. Schließlich hatte ich erst kürzlich eine ganze Palette Milch und eine komplette Palette Kaffe besorgt habe. Da das Ganze ohnehin aus einer Kasse bezahlt wird die ICH fülle, ist das sicherlich nicht zu viel verlangt.

Beide ziehen zeitgleich einen Schmollmund, die eine Kollegin zieht einen Schmollmund und beide verlassen den Raum. Als die Türe ins Schloss fällt murmelt die eine noch “Morgenmuffel” und der Kamerad von oben startet die Bohrmaschine.

Wegen mir…


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Eine Antwort

29 07 2010
Nachtrag zum Kaffee-Disaster-Tag « Das Leben eines IT-Deppen

[...] ein paar Tagen erzählte ich vom schwarzen Montag, an dem es nichts Schwarzes [...]

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