Faulheit kennt keine Grenzen

29 04 2010

Letzten Sommer stand die Idee im Raum, auch in der IT-Abteilung einen Auszubildenden einzustellen.

Aus der Flut von Bewerbungen entschied ich mich für 5 Kandidaten die ich zum Vorstellungsgespräch einlud, darunter auch Mario S.

Nun bin ich ja keiner, der jeden Tag im Anzug und Krawatte herum läuft. Und da es an diesem Tag ca. 30 Grad hatte, habe ich mich für eine Stoffhose und ein kurzes Hemd entschieden.

Herr S. war allerdings weniger leidensfähig wie ich, und stand überpünktlich in Quietsch-Bunten Badeshorts und Flip-Flops bei mir im Büro.

Auch beim darauffolgenden Gespräch war er wohl bereits im Freibad, denn die meisten Fragen beantwortete er mit einem Einzeiler oder durch variables Schulterzucken. Hobbys hatte er eigentlich keine, und auch während seiner Schulzeit gab es nicht wirklich Punkte die er besonders gerne gemacht hätte. Von der Ausbildung erwartete er „Knete“ um endlich zuhause ausziehen zu können und als Schwäche gab er seine morgendlichen Probleme mit dem Aufstehen an. Außerdem drohte ihm das Arbeitsamt mit der Kürzung von Leistungen, sofern er nach 2 Jahren Arbeitslosigkeit (die er in der Bewerbung gekonnt vertuschte) immer noch keine Stelle finden würde. In die IT würde er gerne gehen, weil laut Arbeitsamt hier am meisten “Schotter” zu verdienen sei. Warum er das Gymnasium trotz guter Noten nach der 12 Klasse verließ konnte er mir nicht sagen, aber er glaubte dass es wohl daran lag, dass die Meisten seiner Lehrer “Assis” waren die ihn täglich nur „gedisst“ haben und ihm tierisch „auf den Sack gegangen sind“.

Am Ende des (sehr kurzen) Gespräches legte er mir noch ein Formular vom Arbeitsamt vor, welches ich ihm unterschreiben sollte. Gut wäre es, wenn ich noch so nen “blöden Stempel drauf knallen würde”, das letzte Mal sei ihm vorgeworfen worden, er hätte die Unterschrift gefälscht. Es sei nur eine Formalität, ich müsse mir das nicht durchlesen. Trotz heftigem Widerspruch von seiner Seite, las ich mir das Schreiben flüchtig durch. Ich sollte damit bestätigen, dass sich Herr S. ernsthaft um eine Ausbildung bemüht hat, positiv durch sein Verhalten aufgefallen ist und angebrachte Kleidung getragen hat.

Manche Leute leben irgendwie doch in einer anderen Welt.


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